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26.05.2009

Staatshilfe für Kreditversicherung auf dem Weg



Die deutschen Versicherer geben ihren Widerstand gegen staatliche Hilfe für die Kreditversicherung auf. Die Kreditversicherer und der Branchen-verband GDV werden mit dem Bundeswirtschaftsministerium eine Ar-beitsgruppe bilden, um diese Hilfe vorzubereiten. Mehrere Branchen und die drei großen Wirtschaftsverbände BDI, DIHK und ZDK haben sich in den vergangenen
Wochen dafür eingesetzt, Unternehmen zu helfen, die keinen Deckungsschutz für ihre Warenlieferungen mehr erhalten. Sie seien unverschuldet von der Finanzkrise betroffen, argumentieren die Befürworter der staatlichen Hilfe (F.A.Z. vom 14. Mai).

Mit Kreditversicherungen schützen sich Zulieferbetriebe dagegen, dass ihre Abnehmer eine Ware zwar beziehen, aber im Anschluss zahlungsunfähig werden und die Rechnung nicht mehr begleichen können. Zwischen Lief-erung und Bezahlung liegen oft 30 Tage bis zu einem halben Jahr. Den Markt in Deutschland teilen sich im Wesentlichen fünf Anbieter. Euler Hermes beherrscht ihn mit einem Marktanteil von 47 Prozent, die wichtig-sten Wettbewerber sind Atradius mit 23 und Coface mit 20 Prozent. Kleinere Anteile haben auch die R+V und Zürich.

Angesichts der Finanzkrise mussten die Anbieter sich dem Vorwurf aus-setzen, bestimmte Risiken gar nicht mehr zu versichern und die Prämien stark erhöht zu haben. Tatsächlich sind Neuverträge der Euler Hermes für vergleichbare Risiken seit Mitte vergangenen Jahres zwischen 10 und 30 Prozent teurer geworden, wie eine Unternehmenssprecherin berichtet. Ähnliche Zahlen werden auch von Coface genannt. Manche Policen für besonders risikoträchtige Geschäfte werden auch gar nicht mehr abge-schlossen, weil die Prämien den Nachfragern zu hoch sind, berichten Makler. Allerdings würden die Verträge immer individuell mit den Kunden ausge-handelt, betonen die Unternehmen. Daten über die Branchensituation werden dabei genauso berücksichtigt wie Informationen über vergangene Zahlungsausfälle der Kunden und spezifische Länderrisiken.

Das aktuelle Länderranking von Coface dokumentiert in Deutschland eine Verdoppelung der Zahlungsausfälle im vergangenen halben Jahr. Noch häufiger bleiben Rechnungen in Amerika, Großbritannien und Spanien un-bezahlt. Coface hat Spanien bereits zweimal innerhalb eines Jahres in eine schlechtere Risikogruppe herabgestuft. Der Kreditversicherer hat auch ganze Branchen schlechter eingestuft: Während Coface die Zahlungs-ausfälle in der Textilbranche schon länger kritisch bewertet, hat sich nun auch die Einschätzung der Automobil-, Maschinenbau- und Chemieindustrie deutlich verschlechtert. Gute Bewertungen erhalten nach wie vor Pharma- und Lebensmittelunternehmen sowie Telefonnetzbetreiber. Nach Angaben des GDV haben sich in Deutschland 40 000 Unternehmen gegen mögliche Forderungsausfälle versichert. Das sind rund 20 Prozent der Betriebe, für die solche Policen in Frage kommen. Insgesamt beträgt das Deckungs-volumen hierzulande 300 Milliarden Euro. Es verteilt sich hauptsächlich auf fünf Branchen: die Stahl- und die Bauindustrie, die Lebensmittelbranche, den Maschinen- und Anlagenbau sowie den Dienstleistungssektor. Schlössen die Unternehmen keine Versicherung ab, müssten sie Vorkasse verlangen, um die Zahlung abzusichern. Das wiederum erhöhte den Finanzierungsaufwand der Abnehmer deutlich.

Die drei Wirtschaftsverbände hatten in ihrem Schreiben an den GDV ver-deutlicht, dass höhere Prämien betriebswirtschaftlich nachvollziehbar seien. Volkswirtschaftlich entstünden daraus aber unerwünschte Folgeeffekte. Der Gesamtverband Textil und Mode argumentiert, durch die zurückhaltendere Vertragspolitik der Kreditversicherer würden bestehende Lieferketten systematisch zerstört. Die Versicherungsbranche hat einen staatlichen Rettungsschirm lange abgelehnt. Die Unternehmen verfügten über aus-reichend Eigenkapital. Wolle man die Unternehmen unterstützen, sei der Weg über eine staatliche Rückversicherung für Kreditversicherer unge-eignet. Ein solches Modell aber favorisiert offenkundig das Bundeswirt-schaftsministerium. Staatssekretär Hartmut Schauerte strebt an, mit Hilfe der Versicherer Ausfallrisiken abzusichern, indem er einen Teil der möglichen Schäden trägt. Der Staat würde nach diesem Modell beispielsweise 30 Prozent des gesamten Vertragsvolumens übernehmen, damit der Abschluss überhaupt zustande kommt. Derzeit müssen die versicherten Zulieferer im Durchschnitt einen Selbstbehalt von 25 Prozent bereitstellen. Dieser steigt in der Krise tendenziell, die Unternehmen sollen nicht zu unverantwortlichen Risiken verleitet werden.

Das französische Modell, das kürzlich beschlossen worden ist, greift noch weiter. Wenn ein Vertragsabschluss auch dann nicht zustande kommt, wenn der Staat ihn durch eine Bürgschaft stützt, kann dieser bei be-stimmten Risiken auch als eigenständiger Vertragspartner auftreten. Das Bundeswirtschaftsministerium hatte allerdings zuletzt immer wieder betont, dass keine eigenständige staatliche Struktur aufgebaut und auch die anteilsmäßige Beteiligung nur befristet bis zum Ende der Finanzkrise bereitgestellt werden soll. Welche Variante hierzulande umgesetzt wird, wird Ergebnis der gemeinsamen Arbeitsgruppe des Ministeriums und der Kreditversicherer sein."


Quelle:
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 19.05.2009, Wirtschaft, S. 12


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